| |||||
|
Definition: In diesem Sinne wurde im Land Brandenburg in mehreren ESF-geförderten Projekten ein schulpädagogisches Unterrichtskonzept entwickelt, bei dem ein Teil der regulären Unterrichtszeit (10-20%) in einer tätigkeitsorientierten Form zumeist an außerschulischen Lernorten durchgeführt wird. Hierbei werden mindestens drei Schulfächer fest eingebunden, wobei dem Fach W-A-T in der Regel eine koordinierende Rolle zufällt. Die Erfahrungen an den außerschulischen Lernorten werden zum Anlass genommen, Fragen aufzuwerfen, Lernmotivation zu schaffen sowie Neigungen und Defizite aufzudecken. Angeregt durch die Tätigkeit in der Praxis erhalten die Schülerinnen und Schüler in der Schule die Gelegenheit, ihren Bildungsinteressen zu folgen und ihren Lernprozess zu reflektieren. Der Ansatz schafft die Möglichkeit, unter Berücksichtigung der persönlichen Interessen und des Leistungs- und Entwicklungsstandes im wirklichen Leben (entdeckend) zu lernen und hierbei personale und soziale Kompetenzen sowie Kenntnisse von den Anforderungen der Erwachsenenwelt zu erwerben. Die Verbindung mit dem schulischen Regelunterricht erzwingt eine dauerhafte curriculare und strukturelle Einbindung in das System Schule. Eine Einführung des Praxislernens erfolgt daher immer unter Einbeziehung der Schul- und Lehrerkonferenz. Tiefgreifendere Veränderungen sind auf der organisatorischen Ebene nötig und vollziehen sich schrittweise. Spezifische Standortfaktoren der Schulen müssen berücksichtigt werden. In einem Flächenland wie Brandenburg kommen praktisch alle örtlichen Gegebenheiten vor: städtisch, kleinstädtisch, ländlich und die besonderen infrastrukturelle Bedingungen der Randregionen rund um Berlin. Bei der Entwicklung des Praxislernen-Konzeptes sind neben den erwähnten Standortbedingungen (etwa die Anzahl der Betriebe in erreichbarer Nähe) auch die Voraussetzungen der Lerngruppen zu beachten. So sind für die siebte Jahrgangsstufe Praxislerneinheiten in der Gruppe und in "geschützten" Räumen angemessen (Service-Learning in einer KITA, Schülerfirma, Projektarbeit, Betriebsbesichtigungen, Besuch von Experten, Begleitung der Eltern zur Arbeit u.ä.). Diese Maßnahmen zielen vornehmlich auf eine Förderung der Selbständigkeit und auf den Erwerb sozialer Kompetenzen. In der achten Jahrgangsstufe nehmen die Bezüge zur Berufswelt zu, etwa bei dem regelmäßigen Besuch von überbetrieblichen Ausbildungszentren. In der neunten und zehnten Jahrgangsstufe erwies sich schließlich der individuelle Besuch eines Betriebes als eine geeignete Form. So unterschiedlich die jeweiligen Umsetzungskonzepte auch sind, immer bleibt die anspruchsvolle Aufgabe der Lehrkräfte, die Erfahrungen aus der Praxis in die Schule zu holen. Zur Unterstützung wird die Einführung des Praxislernens durch Materialien und durch ein Fortbildungsangebot flankiert.
Durch das Praxislernen wird das soziale Beziehungsgeflecht aller Beteiligten positiv beeinflusst. Die Schule wird eine Institution, die aktiver am öffentlichen Leben der Region teilnimmt. Durch die Vielzahl der außerschulischen Partner und die Kooperation mit anderen Schulen entstehen Netzwerke, die eine qualitative und quantitative Weiterentwicklung erleichtern.
Eine gelungene Einführung des Praxislernes (in der Regel nach ca. 3 Jahren) spricht alle Ebenen der Schule als ein System an, wie das folgende Schaubild zeigt:
| |||||
